Vertriebs- und Servicezentrum

Warschau
Photo © David Franck
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Architekci
Barkow Leibinger
Location
Warschau
Year
2016
Cost
Undisclosed
Stories
1-5 Stories
Client
Trumpf Polska Warsaw
Team
Heiko Krech, Christian Coburger, Gustav Düsing, Antje Steckhan, Annette Wagner, Frank Barkow, Regine Leibinger

Trumpfs neuer Hauptsitz in Polen ist gleichzeitig ein Prototyp eines wirtschaftlichen Industriebaus mit Showroom der eine einfache Kubatur mit komplexer Fassade und differenzierten Innenräumen kombiniert.

Als wollten sie eine Geschichte über das Innenleben des Hauses erzählen, legen sich metallisch schimmernde Lamellen aus Edelstahlblech in einem weichen Verlauf auf die Fassaden des neuen Vertriebs- und Servicezentrums für Trumpf in Warschau. Die Lamellen weiten sich optisch auf und verengen sich, sie sind über eine Länge von jeweils gut zehn Metern lasergeschnitten und gekantet und werden auf diese Weise zum architekturbestimmenden Ausdruck der Technologie des auf Werkzeugmaschinen und Lasertechnik spezialisierten Unternehmens. Dieses gewinnt mit dem zweigeschossigen Neubau auf knapp 3.200 qm Fläche Büroräume für etwa 50 Mitarbeiter sowie einen repräsentativen Showroom zur Ausstellung von Flachbettlasern, Kant- und Stanzmaschinen.

Strategisch günstig an einer Ausfallstraße mit Autobahnanschluss und nahe dem Flughafen gelegen, fügt sich das Gebäude in eine vorstädtische Umgebung mit Gewerbe, Parkplätzen und Entwicklungsflächen ein. Seine Positionierung im nördlichen Bereich des ca. 10.000 qm großen Grundstücks, das im Süden und Norden von Straßen, östlich und westlich von weiteren Gewerbeflächen begrenzt wird, hält die Möglichkeit einer späteren Erweiterung offen.

Auf diesen heterogenen Kontext reagiert der Neubau mit einer introvertierten Organisation und prototypischen Erscheinung: Sein quadratisches Äußeres wird bestimmt durch die kraftvollen Edelstahlfassaden im Süden und Norden, die wie Billboards zu den Straßen zeigen und in der Fernsicht robust und zugleich grafisch-elegant wirken. Im Inneren, eingeschnitten in das Obergeschoss, entsteht mit einem ca. 16 x 16 Meter großen hofartigen Dachgarten ein in dieser Lage unerwartet charmanter und intimer Ort für Pausenaufenthalte und kleinere Kundenveranstaltungen. Ein warmer, dunkelgrauer Granitboden und Felsenbirnen in großen Pflanztöpfen sorgen für Atmosphäre.

Die innere Organisation des Hauses orientiert sich umlaufend um den leicht außermittig angeordneten Dachgarten im Obergeschoss bzw. einen darunter liegenden geschlossenen Block mit Haustechnik- und Lagerräumen: Richtung Norden und Osten legt sich L-förmig der zweigeschossige Showroom für Maschinen an, Richtung Süden und Westen auf beiden Ebenen Büro- und Seminarräume sowie eine Cafeteria für die Mitarbeiter. In der Schnittfläche der beiden Nutzungsbereiche in der südöstlichen Gebäudeecke liegt das Foyer mit Empfangstheke. Gegenüber, in der nordwestlichen Ecke, geht der offene Showroom in einen kleinteiligeren, eingeschossigen Ausstellungsbereich über, in dem fertige Werkstücke und die für die jeweilige Herstellung erforderlichen Bearbeitungsköpfe präsentiert werden. Eine verglaste, über eine offene Treppe erschlossene Empore darüber bietet Raum für großzügige Kundenempfangs- und -besprechungsräume, die an die Bürofläche und den Dachgarten im Obergeschoss anschließen und Einblicke in den Showroom ermöglichen. Dieser ist durch seine Zweigeschossigkeit optisch mit dem Dachgarten verbunden und erhält so durchgehend Licht von zwei Seiten.

Sowohl innen als auch außen ist das Haus von reduzierten, industriellen Materialien geprägt. Der Dachgarten ist zum Showroom hin mit Profilbauglas mit transluzenter Wärmedämmung eingefasst, die Tragstruktur des Gebäudes im Innenraum sichtbar belassen. Im Bürobereich, wo sich auch die Kerne und Fluchttreppenhäuser befinden, wurde diese massiv in Stahlbeton ausgeführt, im zweigeschossigen repräsentativen Bereich als schwarz gestrichene Stahlskelettkonstruktion. Neben gestalterischen Aspekten lag ein Vorteil dieser Bauweise in der kurzen Bauzeit von nur 12 Monaten.

Für die äußere Hülle des Gebäudes kamen Aluminium und Edelstahl zum Einsatz. Die beiden seitlichen Fassaden nach Osten und Westen sind funktional und schlicht mit Aluminium-Trapezblech verkleidet, in das auf der einen Seite die verglaste Eingangspforte und ein großes Tor für die Anlieferung, auf der anderen Seite zwei lange Fensterbänder zur Belichtung der Schulungs- und Büroräume eingeschnitten sind. Die den Pfosten-Riegel-Glasfassaden vor dem Showroom zur Hauptstraße und im Süden vorgehängten glänzenden Lamellen aus geschliffenem Edelstahl machen diese Ansichten zu repräsentativen, identitätsstiftenden Visitenkarten des Unternehmens und seiner Produkte.

Die Lamellen werden gebildet von lasergeschnittenen, rechtwinklig gekanteten Edelstahlblechen variierender Breite, die sich zu öffnen und zu schließen scheinen. Abwechselnd mit der Innen- und der Außenseite auf einer filigranen Scherenkonstruktion aus Flachprofilen montiert, erzeugen sie durch zunehmende Breiten ein Gesamtbild mit weichem Verlauf von relativ offen zu nahezu geschlossen. Dieser folgt den Anforderungen der inneren Nutzungen: Auf der Nordseite bieten schmale Lamellen im Bereich des Showrooms großzügige Ein- und Ausblicke, während sie zum Ausstellungsbereich hin breiter werden und die dort aufgrund von Bildschirmen erforderliche Dunkelheit schaffen. Im Süden gewährleistet das hier insgesamt geschlossenere Lamellensystem einen zuverlässigen Sonnenschutz für die dahinter liegenden Büros. Mit Einbruch der Dunkelheit zeichnen sich die beleuchteten Innenräume wie auf einem schimmernden Screen nach außen ab.

Der Außenraum um das Gebäude ist durch Erdschollen in lockerer Anordnung gestaltet, die mit Birken und Rittersporn bepflanzt sind und mit ihrer natürlichen Struktur einen Kontrast zur strengen Geometrie des metallisch schimmernden Gebäudes bilden.

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